Italien: FUUN im Interview mit Francesco Bommartini

Wir hatten ein Interview mit Francesco Bommartini, dem Musikkritiker hinter dem beliebten Blog „Accesso Riservato“ aus Italien. Im Anschluss hat er ein Review zu unserem Album „Past“ veröffentlicht.

Wer möchte, kann die italienische Originalversion direkt auf seinem Blog nachlesen:

Unsere Unterhaltung führten wir in englischer Sprache, deshalb gibt es hier auch noch die englischsprachige Version:

Album Past von FUUN

Interview mit Francesco Bommartini am 13.01.2021


Der Name eures neuen Albums ist Past. Was sind die Hauptunterschiede zu früheren Veröffentlichungen?
Als erstes vielen Dank für das Interview. Freut uns sehr, dich kennenzulernen.

Unser Stil wurde früher hauptsächlich von Rock und Post-Grunge inspiriert. Es war ein ziemlich unkomplizierter Sound in typischer Rockband-Besetzung. Heute sind wir offenere Menschen, die gerne mit Klängen jeglicher Art experimentieren. Wir interessieren uns besonders für Instrumente, die und erstmal ungewohnt sind und sogar für Klänge wie den des Handlaufs in unserem Treppenhaus. Während Covid verließ einer unserer beiden Gitarristen die Band und unsere gemeinsame WG, also sind wir jetzt nur noch zu viert. Last but not least hat es sieben lange Jahre gedauert, bis unser neuestes Meisterwerk entstanden ist. Die Geschichten hinter den Songs sind also von Ereignissen inspiriert, die bereits vor langer Zeit stattgefunden haben.


Wie läuft bei euch die Kompositionsphase ab?

Wir begannen damit, zusammen zu jammen, dann entwickelten wir die Struktur und schrieben die Texte. Als wir endlich jedes Detail festgelegt hatten, nahmen wir den Song auf. Bevor Julian noch nicht in der Band war und wir kein Studio hatten, war das Aufnehmen noch sehr schwierig. Zu der Zeit dachten wir, ein Song sei nach der Aufnahme fertig. Ist aber nicht so. Besonders während Covid profitierten wir sehr davon, dass wir zusammen wohnen und ein eigenes Studio zu Hause zu haben, und auch von Julians Erfahrung als Produzent… und Bäcker. Wir konnten uns wirklich treiben lassen und mit verschiedenen Klängen, Arrangements und Effekten experimentieren. Eine ganz neue Erfahrung für uns.

Wie plant ihr, das Album zu promoten?
Covid zwingt uns, auf eine reine Online-Strategie zu setzen. Online-Marketing hat aber einen Vorteil: Man kann jeden erreichen, nicht nur die Locals. Also dachten wir uns: Warum nicht gleich die ganze Welt? Wir haben bereits einige internationale Kritiken erhalten und sind gespannt, was sie in Italien zu unserem Album sagen. Sobald Covid es erlaubt, wollen wir außerdem auf Tour gehen. Wir möchten auch in Italien spielen! Schreibt uns eine E-Mail und wir werden es auf jeden Fall machen.


Ihr habt einen einzigartigen Sound. Was macht ihn aus und habt ihr irgendwelche Geheimnisse?

Unser Sound besteht aus zwei gleichberechtigten Frauen- und Männerstimmen, die teils mit einem mehrstimmigen Chor begleitet werden. Wir suchen also nach lokalen Chorgruppen, die uns auf unserer Live-Tour begleiten.

Außerdem haben wir in unserem Album viele Instrumente verwendet – darunter Violine, Cello, Fender Rhodes, viele Gitarren, wie eine 60 Jahre alte 12-saitige Framus, 3 Bässe, unzählige Percussion-Instrumente wie echte Drums, Flex-a-Tone und Kalimba. Wir haben Vintage-Synthesizer von Moog, Korg und Yamaha verwendet. Im Studio haben wir eine große Auswahl an Bass- und Gitarrenverstärkern und eine unfassbare Range an psychedelischen Soundeffekten (alles, was die Technik her gibt und noch viel mehr). NO LIMITS! Besonderer Tipp unseres Bassisten: Das Cockfight-Pedal ist best FUZZ!


Wie habt ihr 2020 mit Covid gelebt?

Zum Glück sind wir sechs Monate vor der Seuche zusammengezogen. Nur unser Schlagzeuger lebt ein paar Kilometer entfernt, so dass wir weiter zusammen spielen und am Album arbeiten konnten. Nachdem alle unsere Shows abgesagt wurden, haben wir mehrere Konzerte aus unserem Wohnzimmer gestreamt. Unser Schlagzeuger war auch live über Skype dabei. Im Herbst, als die Zahl der Infektionen abnahm, durften wir ein kleines Konzert mit einer begrenzten Anzahl von Zuschauern spielen, das ebenfalls gestreamt wurde. Es war eine einzigartige Nacht für uns. Die Highlights sind auf unserem YouTube-Kanal und auf unserer Website zu sehen.

Wir haben auch die Single Grey Cold Rabbit veröffentlicht, hart an dem Album gearbeitet und es am letzten Tag des Jahres fertiggestellt und veröffentlicht. In der Zwischenzeit bauten wir Gemüse an, lernten Brot und Pizza zu backen und freundeten uns mit den Hühnern und Enten in unserem Garten an, die wir während der Pandemie adoptiert hatten. Es gibt nichts Entspannenderes, als ihnen den ganzen Tag beim Futtern zuzuschauen.

Ihr lebt in München. Wie war die Musikszene dort vor Covid?
Wir haben unvergessliche Konzerte in München vor fantastischem Publikum gespielt und sind unglaublich dankbar dafür. Wir hoffen sehr, dass viele Live-Clubs diese schwierigen Zeiten überstehen und dass wir in Zukunft wieder dort spielen können. Musik ist ein so wichtiger Teil der Kultur – sie verbindet uns Menschen auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene miteinander. Das darf nicht sterben!

Fuun live im Backstage Club | Emergenza 2020 | 1st Step No.4 | 28-2-2020 | Tobias Tschepe


Wie feiert ihr eure Konzerte?
Wir fahren am liebsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Konzert. Auf der Bühne ist Freiheit für uns das Wichtigste. Deshalb spielen wir in lockeren Arrangements, mit Raum für Improvisationen, wie Solos und die Umsetzung gemeinsamer spontaner Ideen. Wir passen unser Setup individuell an den jeweiligen Veranstaltungsort an – von kleinen akustischen Sessions bis hin zu einzigartigen und aufgepumpten Performances – vergleichbar mit einer Studioproduktion. Wir streben bei jedem Song nach dem perfekten Sound: Echtes Schlagzeug, zwei elektrische und zwei akustische Gitarren mit großen Pedalboards, Bass, 3 Stimmen mit Vokaleffekten, ein Keyboard, eine Flöte und viele kleine Percussion-Instrumente. Ein Konzert mit FUUN ist immer eine Party. Nach der Show feiern wir gestört mit unseren geliebten Fans. Wir gehören meistens zu den Letzten, die den Club verlassen. Videotagebücher dazu gibt’s in den Highlights auf Instagram: @fuunology.


Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Wir streben natürlich die Weltherrschaft an. Wir möchten, dass alle Humanoiden freundlich zu unserem Planeten sind! Wir möchten einen weiteren süßen Hühnerfreund adoptieren. Wir wollen, dass unsere Musik überall zu hören ist. Nach der genetischen Verbesserung aller Humanoiden und dem Sieg über Covid möchten wir viele Shows spielen, die ganze Welt sehen und vor allem einen Gig auf einem Bio-Bauernhof in Italien spielen. Und wir wollen Weltfrieden!

Review von Francesco Bommartini


FUUN hat eine seltsame Lebendigkeit. Fast überraschend für solch eine dunkle Zeit. Willkommen bei Past, einem Album, das sich trotz seines Titels mit rettender Frische in die Gegenwart einfügt. Die Produktion ist dynamisch und hebt einige Nuancen hervor, die die Lautstärke sonst oft verbirgt.
Die Klangideen der 11 veröffentlichten Songs sind vielleicht nur die schönsten und unterhaltsamsten, die diese Deutschen aus München anzubieten haben. Fuun wurde ursprünglich als Post-Grunge-Band geboren und hat nun ein eigenes Genre entwickelt. Inspiriert von Pixies, Alt-J, Radiohead, Alice in Chains, aber auch von den Beatles mit King Gizzard-Einflüssen. Anhören ist viel einfacher:

Abgesehen von der verstörenden Stimme bei „Lola“, die wirklich an die von Cobain erinnert, ist FUUN ein großartiges Projekt, das sicher viel Erfolg haben wird. Die Dynamik, die ich oben erwähnt habe, legt es nahe. Und diese oft entfremdenden Songanfänge mit Bässen, die zufällig dort platziert zu sein scheinen, fast überladen, aber stattdessen sinnvoll.
Die Vielfalt führt den Hörer mit Leichtigkeit durch die 11 Songs des Albums. Nicht schlecht, da wir in einer Welt leben, in der Informations- und Musiküberflutung an der Tagesordnung steht. Und es ist egal, dass der Sänger an Cobain erinnert – das passiert auch in Notabomb -, da Genoveva Dünzinger das perfekt ausbalanciert und mit psychedelischen Effekten veredelt.

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