Northern Art Music: Interview mit Kai Grothaus

Veröffentlicht bei Northern Art Music am 30.01.2021, von Kai Grothaus

Heute soll es musikalisch mal in die südlichen Regionen des Landes gehen. Um genau zu sein befinden wir uns in München. Hier befindet sich das Headquarter einer sehr interessanten Band: FUUN. Interessanter Name, auf den wir im Interview noch zurückkommen werden. Schon seit dem Jahr 2013 existiert die Band, die musikalisch eigentlich gar nicht so genau zu beschreiben ist. So ist die Beschreibung Happy Post Grunge Psychedelic Stoner Rock schon einmal Grund genug, mal genauer FUUN-Quartett nachzufragen. Mehr über FUUN erfahrt ihr im folgenden Interview.

NAM: Hallo in die Runde, erst einmal vielen Dank, das ihr euch für dieses Interview die Zeit nehmt. Mögt ihr euch den Lesern von Northern Art Music vielleicht einmal kurz vorstellen.

FUUN: Hallo Kai, danke – ist uns eine Freude, dabei zu sein. Ganz genau – wir sind FUUN aus München: Pascal singt und spielt Gitarre, Genoveva singt auch, Dreher trommelt und Julian basst. Wir sind vier Freunde und kennen uns seit fast einem Jahrzehnt. Seit 2013 musizieren wir gemeinsam.

NAM: Wie hat eure Musikkarriere dereinst begonnen und welche Einflüsse haben dabei eine Rolle gespielt?

FUUN: Pascal und Dreher kennen sich schon seit Schulzeiten und haben damals schon zusammen Musik gemacht. Mangels Proberaum haben sie sich an der Musikschule angemeldet, um dort zu proben. Dort haben sie Genoveva kennengelernt, die damals gerade Bass lernte. Später entdeckte Julian eine Aufnahme von FUUN im Internet und schrieb uns, ob wir einen Song mit ihm aufnehmen wollen im Rahmen seines Bachelor-Studiums im Tonstudio der School of Audioengineering (SAE). Dann haben wir den Julian einfach behalten. Das ist jetzt unser Julian. Lol. Die zwei größten Einflüsse für unseren Sound waren am Anfang die Eels und Nirvana. Natürlich haben wir die Songs unserer großen Idole gecovert. Nach und nach schrieben wir immer mehr eigene Songs. Unser Stil war damals hauptsächlich Post-Grunge in klassischer Rock-Besetzung.

Long long time ago…

NAM: Wie kam es zur Namensfindung und welche Bedeutung hat dieser?

FUUN: Beim Namen hat uns der kurze Name der Eels inspiriert. Außerdem wollten wir uns damals auf keine Sprache festlegen, deshalb waren wir auf der Suche nach einem Wort, das in keiner Sprache eine Bedeutung hat. Fun Fact: Wir fanden später heraus, dass unser Bandname „Pech“ auf Japanisch heißt. Außerdem stellte sich heraus, dass der Name katastrophal schlecht im Internet zu finden ist, weil Suchmaschinen ihn immer auf „Fun“ korrigieren. Aber der Name FUUN hat auch was Positives: Sollten Menschen bei Konzerten BUUUHEN, klingt es, als würden sie unseren Namen rufen 😉.

Battle of Bands

NAM: Wie lief es generell in der Szene zu Anfang so ab, gab es Kontakte mit anderen Bands oder Newcomern der Szene aus der Gegend, wann seid ihr zum ersten Mal in der Öffentlichkeit aufgetreten, also erste Liveauftritte?

FUUN: Wir haben 2016 zum ersten Mal in dieser Konstellation am Battle of Bands in Herrsching teilgenommen und direkt gewonnen. YESSAA! Wir haben immer schon klassische Gig-Tauschs mit anderen Bands organisiert und sogar an Vernissagen gespielt und in Germering eine Rauminstallation zum Song „Loss of Time“ ausgestellt. Wir strecken unsere Fühler überall hin aus.

Rauminstallation Loss of Time

NAM: Aktuell seid ihr mit eurem Debüt-Album „Past“ am Start. Erzählt uns mal ein bisschen darüber.

FUUN: Das Album besteht aus Songs, die wir teilweise vor sehr langer Zeit geschrieben haben. Der älteste Song auf der Platte ist fast sieben Jahre lang gereift. Seitdem ist viel passiert. Wir haben eine WG zusammen gegründet, wir haben uns von einem Gitarristen getrennt, Corona kam um die Ecke und außerdem sind wir auch einfach viel weltoffenere Menschen geworden. Deshalb war die besondere Herausforderung hinter dem Album, unser neues Lebensgefühl in die alten Songs zu transportieren.

NAM: Wer ist für das Cover Artwork für die Veröffentlichungen verantwortlich?

FUUN: Die Artworks kommen von Pascal und Genoveva. Pascal hat auch das Album Cover von „Past“ kreiert. Wir wollen mit den Covers auch das Gefühl der Songs transportieren. Das gehört für uns zum Gesamtkunstwerk „FUUN“ dazu.

Debütalbum von FUUN
Das Debüt-Album „Past“ von FUUN gibt es vorerst nur auf Bandcamp zum Download zu kaufen und natürlich auf allen bekannten Streaminganbietern zum Anhören

NAM: Gab es schon vor FUUN musikalische Aktivitäten bei Euch?

FUUN: Julian spielt seit 20 Jahren Klavier, hatte damals bereits bei Different Meaning Keyboard und Synthesizer gespielt und drehte auch die Plattenteller im Münchner Nachtleben. Genoveva war in einer Schul-Black-Metal-Band und sang im Chor, Dreher war ebenfalls in einer Metal-Band und trommelt bis heute parallel in der Herrschinger Blaskapelle. Pascal hat direkt nach drei Monaten Gitarre spielen die Band gegründet, die später zu FUUN wurde.

NAM: Welche musikalischen Einflüsse gibt es für Euch, gibt es Vorbilder, woher nehmt ihr eure Inspiration?

FUUN: Wir sind sehr verschieden und haben ganz unterschiedliche Vorbilder.

Pascal verbrachte bereits als Teenie die Sommer mit seinem Vater auf dem Sziget Festival in Ungarn oder mit seinem Onkel auf Konzerten und wusste damals schon, dass er auch da vorne auf der Bühne stehen will.

Dreher interessiert sich für ganz viele Genres und ist beeindruckt von Künstlern wie Jojo Mayer, Buddy Rich und ihren extrem starken Spieltechniken an den Drums.

Julian fing mit einer klassischen Ausbildung am Klavier an – insbesondere J.H. Bach und Bartók begleiten ihn schon sein ganzes Leben lang. Parallel dazu hörte er sich durch die Plattensammlung seiner Eltern – mit Highlights wie The Beatles und die Spider Murphy Gang. Seine Produktion heute ist beeinflusst von Adam Young und Kevin Parker – ihren perfekten Harmonien, ihrem großen Dynamikumfang und komplexen Arrangements, die trotzdem einfach klingen. Alles hat Sinn.

Genoveva liebt entspannten psychedelischen Rock mit Sitar-Klängen und langen Instrumentals. Deshalb experimentiert sie neben dem Singen am liebsten mit allen möglichen Instrumenten und Klängen herum. Ihr momentaner Liebling ist ein Clarineau – eine Art Blockflöte mit Klappen und Rohrblatt-Mundstück.

NAM: Für die Technikfreaks unter uns, mit welchen Instrumenten, DAW´s etc arbeitet ihr?

FUUN: ProTools ist meine favourite DAW für Recording und Editing von „echten“ Instrumenten. Da haben wir recht viele von aufgenommen :3 Geht damit am schnellsten und einfachsten, wenn man sich auskennt.Zum Mixing exportiere ich dann alles nach Ableton, das Programm macht so unfassbar kreativ und der Workflow – bis auf Recording und Editing – ist so nice! Wir haben für unser Album viele Instrumente verwendet – darunter Violine, Cello, Fender Rhodes, viele Gitarren – wie eine 60 Jahre alte 12-saitige Framus – 3 Bässe, unzählige Percussion-Instrumente wie echte Drums, Flex-a-Tone und Kalimba. Wir haben Vintage-Synthesizer von Moog, Korg und Yamaha verwendet. Effektierung passiert inner- und außerhalb der digitalen Welt, bisschen analoger Dreck schmeckt schon richtig gut!!! Im Studio haben wir eine große Auswahl an Bass- und Gitarrenverstärkern und eine geistige Range an psychedelischen Soundeffekten.

NAM: Gibt es Künstler, mit denen ihr gern einmal auftreten oder zusammen arbeiten würdet?

FUUN: Auf jeden Fall. Bananafishbones, Oli Schulz und Giant Rooks sind tolle Künstler! Robin Schulz könnte bestimmt einen nicen Remix von unserem neuen Song „Die ganze Welt ist Lava“ machen, aber er antwortet ja nicht auf Instagram. Falls andere DJs zeitnah Bock hätten – das Ding muss noch während der Pandemie droppen – meldet euch!

NAM: Wie sieht es mit Videos aus – sind diese für euch wichtig? Clips zu den Tracks für z.B. Youtube und andere Kanäle zu produzieren ist ja auch sehr aufwändig.

FUUN: Videos machen uns total Spaß. Da kann man dem Song nochmal eine neue Dimension verpassen. Ähnlich wie bei unserem Artwork sind Videos für uns einfach ein kreatives Ventil. Gerade ist viel Druck drauf – kommt bestimmt was 😉 Es gibt bereits einige Videos hier zu sehen:

NAM: Wer sind eure All Time Heroes im heimischen Plattenregal?

FUUN: Tame Impala mit „Innerspeaker“ (auch ein sehr gutes Artwork), Thievery Corporation, Dope Lemon, Fink, Eels, Rage Against the Machine, Miles Davis mit „Kind of Blue“, tatsächlich auch Taylor Swift mit „1989“ und Alligatoah, Nicolas Jaar mit „Space Is Only Noise”.

NAM: Was außer Musik bereichert noch euer Leben, außergewöhnliche Hobbys oder Filme, Bücher etc?

FUUN: Unsere gemeinsamen Hühnchen und Enten, der Duft im Haus, wenn Julian wieder seine Back-Tage hat. Unser Trommler hat das Radfahren für sich entdeckt, wir kochen sehr gerne zusammen und freuen uns schon auf den Frühling, wenn wir wieder im Garten starten können. Genoveva ist Kräuterpädagogin und immer auf der Jagd nach alten Büchern über Kräuter. Deshalb mischen wir am liebsten unsere eigenen Teekreationen. Wir empfehlen alle Filme von Tommy Wiseau.

NAM: Und zum Schluss – wie sehen eure Planungen für 2021 aus?

FUUN: Fame werden. Außerdem haben wir schon genug Premium-Material für ein zweites Album – es wird also keine weiteren 7 Jahre dauern. Wenn Corona besiegt ist, freuen wir uns darauf, endlich wieder echte Konzerte zu spielen. Wir haben einiges vor! Außerdem möchten wir gerne ein weiteres Hühnchen adoptieren.

NAM: Noch einmal vielen Dank und bleibt gesund.

FUUN: Danke für deine Zeit, bleib du auch gesund!

Kai Grothaus

Northern Art Music: http://www.northern-art-music.com/

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