Um es gleich vorweg zu sagen: Das Klavier hat überlebt, der Julian auch. SIEG!

Und alles ging viel schneller als gedacht: Schon nach einer Woche war aus dem fiesen Akkordgehacke ein harmonischer Klang entstanden. Wobei – das klingt viel zu einfach. Tatsächlich war es harte Arbeit das Klavier zu stimmen – wie uns Julian immer wieder versicherte – und es war mindestens genau so hart, dabei zu zu hören 😉

Zwischenzeitlich haben wir uns gefragt, ob es eigentlich gefährlich ist, sowas selbst zu machen…schließlich rät so ziemlich jeder Forumsbeitrag entschieden davon ab, sein Klavier selbst zu stimmen. Von hängenden Tasten, heftiger Spannung und völliger Zerstörung ist die Rede. Tatsächlich ist die Spannung enorm. Jede einzelne Taste schlägt bis zu drei Saiten an, die alle auf der vertikalen Rückplatte gespannt sind. Wer schon mal Stahlseiten auf eine Konzertgitarre aufgespannt hat, und unfreiwillig einen Bumerang geformt hat, weiß, wie extrem die Spannung schon bei fünf Seiten sein kann.

Schade, wenn das Klavier wie Pac-Man vorne zusammengeklappt wäre und unseren Bassisten gefressen hätte! Dann wäre das ein trauriger Update-Post geworden…sowas wie „Klavier leider tot. Bassist hats auch erwischt. RIP.“

Aber Julian hat alles im Griff und vorsichtshalber einen Ganzton tiefer gelassen, um nicht gleich am Anfang zu viel Spannung rein zu bringen. Die Harmonie ist top geworden. Jetzt bekommen alle in der WG Klavierunterricht und sie spielten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Nein ernsthaft – kein Märchen. Es hat geklappt.

Reingehört!

Wenn man ein Klavier für wenig Geld möchte, dann kauft man es gebraucht, transportiert das tonnenschwere Monster dann im Schweiße seines Angesichts  komplett selbst nach Hause und lässt es dann auf der Terrasse stehen. Weil man weder die Eingangstreppe hoch kommt, noch überhaupt weiß, ob man es dahinter um die Kurve ins Wohnzimmer schafft. So ging es uns auch.

Mit einer dunkelgrünen Campingplane bedeckt musste es fast 2 Wochen bei Wind und Wetter draußen stehen – und sah dabei sehr traurig aus. Als wir das ständige Winseln und Jammern von draußen nicht mehr ertragen konnten, haben wir uns dann professionelle Hilfe geholt und einen Klaviertransporteur herbestellt. Der hat uns natürlich erstmal ausgelacht. Dass wir uns das angetan haben, es selbst bis hier her zu transportieren…und dann hat er zwei Gurte genommen und es mit seinem Kollegen kurzerhand ganz easy reingetragen. Zu unserer Verteidigung: Die Zwei waren mindestens 2 Meter groß und sahen aus wie muskelbepackte Riesen-Ninjas.

Das wir selbst eher Lauchse sind war uns vorher schon klar, aber die zwei haben und dann doch echt überrascht. Nach ungelogen 7,5 Minuten Arbeit strichen sie ihren Lohn ein und waren schon auf dem Weg zum nächsten Klavier. Wow.

Und das Klavier? Das steht endlich an seinem verdienten Platz, ist nun das Highlight des Wohnzimmers…

…und geisteskrank verstimmt.

Wir greifen zur altbewährten Erfolgsmethode und fahren erstmal wieder die Do-it-yourself-Schiene. Julian hat ein paar Stimmschlüssel im Internet besorgt und schlägt seit drei Tagen die absolut fiesesten Akkorde an, während er die Seiten stimmt. Manchmal schaut er dabei kurz auf und erzählt was „wohltemperiertem Gesamtergebnis“ oder versucht mit einer App auf seinem Laptop die „optimale Streckung“ festzulegen…

Wir genießen währenddessen mit einem Achselzucken die schauerlich schiefen Tonreihen 🙂

[To be continued^^]